Wie viel Startkapital braucht man wirklich zum Trading?
Aktualisiert: 11. Aug.

Die Frage nach dem richtigen Startkapital gehört zu den ersten Fragen, die sich viele angehende Trader stellen. Eine pauschale Antwort wie „5.000 Euro reichen“ oder „unter 10.000 Euro lohnt sich Trading nicht“ greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Geld auf dem Tradingkonto liegt. Ebenso wichtig sind das gehandelte Finanzprodukt, die kleinste mögliche Positionsgröße, der notwendige Stop-Abstand und die Frage, wie viel Prozent des eigenen Kontos bei einem einzelnen Trade maximal riskiert werden sollen. Deshalb kann dieselbe Kontogröße für einen Trader völlig ausreichend und für einen anderen deutlich zu klein sein. Wer beispielsweise Futures handelt, muss mit festen Kontraktgrößen arbeiten. Bei anderen Produkten lässt sich die Positionsgröße wesentlich feiner anpassen. Statt also mit einer beliebigen Mindestkapital-Zahl zu beginnen, ist es sinnvoller, die Frage andersherum zu stellen: Welche Kontogröße brauche ich, damit meine geplanten Trades zu meinem Risikomanagement passen?
Mindestkapital ist nicht gleich Mindestkapital
Wenn vom notwendigen Startkapital für Trading gesprochen wird, sind häufig unterschiedliche Dinge gemeint. Ein Broker kann beispielsweise bestimmte Voraussetzungen für die Kontoeröffnung oder den Handel einzelner Produkte festlegen. Bei gehebelten Finanzprodukten kommt zusätzlich die erforderliche Margin hinzu. Beides sagt aber noch wenig darüber aus, ob die vorhandene Kontogröße aus Sicht des Risikomanagements tatsächlich sinnvoll ist.
Für die Praxis lassen sich deshalb drei Ebenen unterscheiden:
Technisches Mindestkapital: Wie viel Kapital muss vorhanden sein, damit das Konto beziehungsweise die gewünschte Position überhaupt genutzt werden kann?
Risikobasiertes Startkapital: Wie groß muss das Konto sein, damit die geplanten Trades mit einem vertretbaren Risiko pro Trade umgesetzt werden können?
Persönlich tragbares Kapital: Wie viel Geld kann für Trading eingesetzt werden, ohne dass mögliche Verluste die eigene finanzielle Situation gefährden?
Gerade die zweite Ebene ist entscheidend. Dass ein Broker beispielsweise die Eröffnung einer Position aufgrund der vorhandenen Margin zulässt, bedeutet nicht automatisch, dass diese Position für die eigene Kontogröße angemessen ist. Ein Konto kann also ausreichend kapitalisiert sein, um einen Trade technisch einzugehen, während das mögliche Verlustrisiko trotzdem viel zu hoch ausfällt. Warum Margin, Hebel und tatsächliches Risiko eines Trades nicht gleichgesetzt werden sollten, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag über Hebel im Trading.
Für die Frage nach einem sinnvollen Startkapital ist deshalb nicht entscheidend, welche Position gerade noch eröffnet werden kann. Wichtiger ist, welche Positionsgröße zum eigenen Risikolimit passt.
Vom Risiko pro Trade zur benötigten Kontogröße
Statt zunächst eine beliebige Kontogröße festzulegen und anschließend zu überlegen, welche Position damit gehandelt werden kann, ist die umgekehrte Reihenfolge sinnvoller. Am Anfang steht die Frage: Wie viel des eigenen Tradingkapitals soll bei einem einzelnen Trade maximal verloren gehen?
Viele Trader arbeiten dafür mit einem prozentualen Risikolimit. Wer beispielsweise höchstens 1 Prozent seines Kontos pro Trade riskieren möchte, könnte bei einem Konto von 5.000 Euro einen geplanten Verlust von maximal 50 Euro zulassen. Bei einem Risiko von 0,5 Prozent wären es entsprechend 25 Euro.
Wie hoch das Risiko einer Position ausfällt, hängt anschließend vor allem von drei Größen ab:
dem Abstand zwischen Einstieg und Stop,
dem Geldwert einer Kursbewegung,
der Anzahl der gehandelten Einheiten beziehungsweise Kontrakte.
Ergibt sich daraus beispielsweise ein geplantes Risiko von 40 Euro für die kleinste sinnvoll handelbare Position, benötigt ein Trader bei einem Risikolimit von 1 Prozent rechnerisch mindestens 4.000 Euro Kontokapital. Soll derselbe Trade nur 0,5 Prozent des Kontos riskieren, wären es bereits 8.000 Euro.
Die erforderliche Margin ist für diese Risikorechnung zunächst nicht die entscheidende Größe. Sie ist vielmehr eine zusätzliche Voraussetzung dafür, eine Position eröffnen und halten zu können. Bei der Planung der Kontogröße sollte daher nicht die Frage im Vordergrund stehen, wie viel Kapital der Broker mindestens als Margin verlangt. Sinnvoll ist vielmehr, die Positionsgröße zunächst aus dem eigenen Risikolimit abzuleiten und anschließend zu prüfen, ob zusätzlich ausreichend Kapital oberhalb der Margin-Anforderungen vorhanden ist. Ein Stop-Loss hilft dabei, das geplante Verlustrisiko zu begrenzen. Er bietet jedoch keine Garantie, dass eine Position immer exakt zum vorgesehenen Stop-Kurs geschlossen wird. Deshalb sollte die Kontogröße auch nicht so knapp bemessen sein, dass bereits eine ungünstigere Ausführung oder andere Schwankungen unmittelbar zu Margin-Problemen führen.
Vereinfacht gesagt: Je mehr Euro bereits ein einzelner sinnvoll geplanter Trade riskiert und je kleiner dieses Risiko im Verhältnis zum Gesamtkonto sein soll, desto größer muss das Tradingkonto sein. Wie sich das Risiko pro Trade grundsätzlich festlegen und berechnen lässt, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag über das Risiko pro Trade im Trading.
Beispiel: Wie sich das Startkapital beim Micro-DAX ableiten lässt
Wie stark das gehandelte Produkt die benötigte Kontogröße beeinflusst, lässt sich an einem Future gut zeigen. Beim Micro-DAX-Future (FDXS) entspricht ein DAX-Punkt einem Kontraktwert von 1 Euro. Auch die kleinste Preisbewegung beträgt einen Punkt beziehungsweise 1 Euro. Angenommen, eine Handelsstrategie ergibt einen Einstieg, bei dem der fachlich sinnvolle Stop 30 Punkte entfernt liegt. Bei einem Micro-DAX-Kontrakt beträgt das geplante Kursrisiko damit: 30 Punkte × 1 Euro = 30 Euro
Wie groß das Tradingkonto dafür sein sollte, hängt nun davon ab, welchen Anteil des Kontos diese 30 Euro ausmachen dürfen.
Stop-Abstand | Risiko mit 1 Micro-DAX | bei 1 % Risiko pro Trade | bei 0,5 % Risiko pro Trade |
20 Punkte | 20 € | 2.000 € | 4.000 € |
30 Punkte | 30 € | 3.000 € | 6.000 € |
40 Punkte | 40 € | 4.000 € | 8.000 € |
Diese Werte sind keine Empfehlung für bestimmte Stop-Abstände oder Kontogrößen. Sie sollen lediglich zeigen, wie stark sich das notwendige Startkapital verändert, sobald entweder der Stop-Abstand oder das gewünschte prozentuale Risiko verändert wird.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Der Stop sollte sich aus der Handelsstrategie und der jeweiligen Marktsituation ergeben. Er sollte nicht beispielsweise von 40 auf 20 Punkte verkleinert werden, nur damit ein Trade rechnerisch zu einem kleineren Konto passt. Erst wenn der Stop feststeht, lässt sich bestimmen, welche Positionsgröße zum eigenen Risikolimit passt.
Bei Futures entsteht dabei eine zusätzliche Einschränkung: Ein Kontrakt ist die kleinste handelbare Einheit. Würde ein Micro-DAX mit einem fachlich notwendigen 40-Punkte-Stop auf einem 1.000-Euro-Konto gehandelt, entsprächen die 40 Euro Kursrisiko bereits 4 Prozent des gesamten Kontos. Der Trader kann die Position nicht einfach auf 0,5 Micro-DAX-Kontrakte verkleinern. In einer solchen Situation ist deshalb nicht automatisch der Stop das Problem – vielmehr passen Produkt, Handelsstrategie und vorhandene Kontogröße möglicherweise nicht zusammen. Warum ein Stop-Loss zunächst fachlich bestimmt und die Positionsgröße anschließend daran angepasst werden sollte, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag über den Stop-Loss im Trading.
Warum das gehandelte Produkt die notwendige Kontogröße beeinflusst
Wie viel Startkapital sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie flexibel sich die Positionsgröße beim jeweiligen Finanzprodukt anpassen lässt.
Bei Futures bestehen wie bereits erwähnt feste Kontraktgrößen. Selbst Micro-Futures lassen sich nicht beliebig verkleinern: Ein Kontrakt bleibt die kleinste handelbare Einheit. Wie das vorherige Micro-DAX-Beispiel zeigt, kann deshalb bereits diese kleinste Position für ein sehr kleines Konto ein zu hohes prozentuales Risiko verursachen.
Andere Produkte lassen sich teilweise feiner skalieren. Bei Aktien kann die Positionsgröße beispielsweise über die Anzahl der gekauften beziehungsweise verkauften Stücke angepasst werden. CFDs ermöglichen bei vielen Anbietern ebenfalls kleinere Abstufungen als Futures. Dadurch kann es bei einem kleinen Konto rechnerisch leichter sein, eine Position an ein bestimmtes Risikolimit anzupassen.
Eine feinere Skalierbarkeit macht ein Finanzprodukt allerdings nicht automatisch besser. Neben der Positionsgröße spielen unter anderem Handelskosten, Preisbildung, Liquidität und die rechtliche beziehungsweise strukturelle Ausgestaltung des Produkts eine Rolle. Für die Frage nach dem Startkapital bedeutet das deshalb vor allem: Nicht jede Handelsstrategie lässt sich mit jedem Produkt und jeder Kontogröße sinnvoll kombinieren. Wer nur wenig Kapital zur Verfügung hat, sollte nicht versuchen, ein eigentlich zu großes Produkt durch übermäßig enge Stops passend zu machen. Möglicherweise passt dann ein anderes Produkt besser zur vorhandenen Kontogröße.
Welche strukturellen Unterschiede insbesondere zwischen börsengehandelten Futures und außerbörslich gehandelten CFDs bestehen, zeigen wir ausführlicher in unserem Vergleich Futures vs. CFDs.
Wie viel des eigenen Vermögens sollte für Trading eingesetzt werden?
Selbst wenn sich rechnerisch eine sinnvolle Kontogröße bestimmen lässt, bleibt noch eine zweite Frage: Kann und möchte man diesen Betrag persönlich überhaupt für Trading riskieren?
Ein Tradingkonto von beispielsweise 10.000 Euro kann je nach finanzieller Ausgangssituation etwas völlig Unterschiedliches bedeuten. Für jemanden mit einem deutlich größeren frei verfügbaren Vermögen stellt dieser Betrag möglicherweise nur einen kleinen Teil des Gesamtvermögens dar. Wer dagegen insgesamt nur 10.000 oder 15.000 Euro angespart hat, würde mit einem Tradingkonto von 5.000 oder 10.000 Euro einen erheblichen Teil seiner finanziellen Reserven dem Handelsrisiko aussetzen.
Deshalb sollte sich das Startkapital nicht allein danach richten, welche Kontogröße für ein bestimmtes Produkt oder eine Strategie rechnerisch erforderlich wäre. Ebenso wichtig ist, dass mögliche Tradingverluste die eigene finanzielle Lebensführung nicht gefährden. Geld für laufende Ausgaben, eine notwendige finanzielle Reserve oder bereits geplante größere Anschaffungen sollte deshalb nicht deshalb zum Tradingkapital werden, nur weil für die gewünschte Handelsstrategie ein größeres Konto benötigt wird. Reicht das tatsächlich verfügbare Risikokapital dafür nicht aus, kann die Konsequenz auch sein, zunächst mit einem Demokonto weiterzuarbeiten oder eine andere Handelsweise beziehungsweise ein anders skalierbares Produkt zu wählen.
Eine allgemeingültige Quote des Gesamtvermögens, die für jeden Trader richtig wäre, gibt es dabei nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass Tradingkapital finanziell verkraftbar bleibt und ein Verlust nicht dazu zwingt, Geld einzusetzen, das eigentlich für andere Zwecke benötigt wird. Wie wichtig der Kapitalerhalt unabhängig von einzelnen Trades ist, behandeln wir ausführlicher in unserem Beitrag über das Kapital schützen im Trading.
Warum ein sehr kleines Tradingkonto problematisch sein kann
Ein kleines Tradingkonto ist nicht automatisch ungeeignet. Wir weisen aber nochmals darauf hin: Entscheidend ist, ob sich die geplante Handelsstrategie mit der Kontogröße sinnvoll umsetzen lässt. Problematisch wird es vor allem dann, wenn bereits die kleinste handelbare Position einen zu großen Anteil des Kontos riskiert.
Hinzu kommt, dass Handelskosten bei kleinen Konten relativ stärker ins Gewicht fallen können. Kommissionen, Börsengebühren, Spread und mögliche Slippage verändern sich nicht automatisch proportional zur Kontogröße. Wer nur sehr kleine absolute Gewinne und Verluste pro Trade handelt, muss deshalb besonders darauf achten, welchen Anteil diese Kosten am erwarteten Ergebnis ausmachen.
Ein weiterer Punkt sind die eigenen Erwartungen. Aus einem kleinen Konto lässt sich nur dann schnell ein deutlich größeres Konto machen, wenn entsprechend hohe Renditen erzielt werden. In der Praxis verleitet genau dieser Wunsch häufig dazu, größere Positionen zu handeln, mehr Trades einzugehen oder das ursprünglich vorgesehene Risiko zu erhöhen. Damit entsteht eine ungünstige Kombination: kleines Konto, hohe Gewinnerwartung und zu großes Risiko pro Trade. Mehr Startkapital löst dieses Problem allerdings ebenfalls nicht automatisch. Ein größeres Konto ist nur dann ein Vorteil, wenn die Positionsgröße und das Risiko weiterhin kontrolliert werden. Es sollte also nicht darum gehen, mit mehr Kapital möglichst große Positionen handeln zu können, sondern eine Strategie mit einem vernünftigen Verhältnis zwischen Risiko und Kontogröße umzusetzen. Wie realistisch bestimmte Renditeerwartungen beim Trading überhaupt sind, betrachten wir ausführlicher in unserem Beitrag über die realistische Rendite im Trading.
Vom Demokonto zum Echtgeldhandel
Wer noch keine ausreichende Erfahrung mit Orderarten, Handelsplattform und eigener Strategie gesammelt hat, muss nicht sofort die „richtige“ Kontogröße für den Echtgeldhandel festlegen.
Ein Demokonto kann zunächst helfen, Abläufe kennenzulernen, Orderfunktionen zu testen und die eigene Handelsweise einzuüben, ohne reales Kapital zu riskieren. Es ersetzt allerdings nicht vollständig die Erfahrung des Echtgeldhandels. Sobald echtes Geld auf dem Spiel steht, können sich Entscheidungen, Emotionen und Risikowahrnehmung verändern. Beim späteren Wechsel auf ein Echtgeldkonto sollte deshalb nicht möglichst viel Kapital eingesetzt werden, sondern eine Kontogröße gewählt werden, die zur geplanten Handelsweise und zur persönlichen finanziellen Situation passt. Gerade am Anfang kann es sinnvoll sein, zunächst mit einer möglichst kleinen, aber noch sinnvoll handelbaren Positionsgröße zu arbeiten. Entscheidend ist dabei nicht, schnell hohe Gewinne zu erzielen, sondern die eigene Strategie unter realen Bedingungen konsequent und kontrolliert umzusetzen.
Fazit
Auf die Frage, wie viel Startkapital man zum Trading braucht, gibt es keine allgemeingültige Antwort. Eine bestimmte Kontogröße kann für eine Handelsstrategie ausreichend und für eine andere deutlich zu klein sein. Entscheidend sind vor allem das gehandelte Produkt, die kleinste mögliche Positionsgröße, der notwendige Stop-Abstand und das gewünschte Risiko pro Trade.
Sinnvoll ist deshalb folgende Reihenfolge:
festlegen, wie viel Prozent des Kontos maximal pro Trade riskiert werden sollen,
einen fachlich begründeten Stop bestimmen,
das Risiko der kleinsten handelbaren Position berechnen,
daraus die notwendige Kontogröße ableiten,
zusätzlich Margin, Handelskosten und ausreichende finanzielle Reserven berücksichtigen.
Dabei sollte das Tradingkonto nicht nur rechnerisch zur Strategie passen. Das eingesetzte Kapital muss auch zur persönlichen finanziellen Situation passen und sollte nicht aus Geld bestehen, das für laufende Ausgaben, Rücklagen oder andere fest eingeplante Zwecke benötigt wird.
Für bestimmte Micro-Futures und Handelsansätze kann daraus durchaus eine sinnvolle Kontogröße von mehreren Tausend Euro entstehen. Bei anderen Produkten oder Strategien kann die erforderliche Größenordnung jedoch deutlich niedriger oder höher liegen.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht:
„Mit wie wenig Geld kann ich traden?“
Sondern:
„Welche Kontogröße ermöglicht es mir, meine Strategie mit einer passenden Positionsgröße und einem kontrollierten Risiko umzusetzen?“
Über diesen Beitrag
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